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Jahreshauptversammlung des Heimatvereines der Insel Borkum

Markus Stanggassinger zum neuen Vorsitzenden gewählt

Pünktlich um 19.30 Uhr eröffnete „de Vörsitter van de Heimatverein“ Reinder Kieviet am vergangenen Mittwoch im Nordsee-Hotel „de hoogste Versammlung van’t Jahr“ und begrüßte die anwesenden Mitglieder. Nach der Ehrung der Verstorbenen rief er das vergangene Jahr noch einmal in das Gedächtnis zurück und schilderte unter anderem den gelungenen Neujahrsempfang im Museum, ausgerichtet mit der hiesigen Ortshandwerkerschaft. Durch die plötzliche Erkrankung des 1. Vorsitzenden blieb der Posten vakant, aber Derk Akkermann steht dem Verein immer mit Rat und Tat zu Seite. Reinder Kieviet bedankte sich ausdrücklich bei allen Aktiven und Helfern, die bei dem jährlichen Straßenfest mithelfen, bei der kleinen Gruppe, die immer wieder an der Ferienpassaktion teilnimmt und den Altennachmittag organisiert sowie bei dem engagierten „Museumsklöttje“, einschließlich Sybille Dykmann, die immer neue Ideen und Einfälle hat und bei Gottfried Sauer, der in seine stets gut besuchte Teestunde im „Toornhuske“ einlädt, unterstützt von Tanja Wolthausen mit dem Kartenverkauf. Der ausgebaute Dachboden im Museum bietet sich hervorragend für Sonderausstellungen an. Letztjährig waren es die Poesiealben und nur noch wenige Tage läuft die Präsentation über den Ausbruch des 1. Weltkrieges, organisiert von Volker Apfeld. „Dat Dykhus hett ein neej Hüsche un dat was ein düchdeg Geknauje, man ander Weeke komen de Dören weer wiet open“.

Ein besonderes Thema im Vorstand war in den letzten Monaten die Vorbereitung zur Renovierung und Erneuerung des Walknochenzaunes bei der Pastorei der evangelisch-reformierten Gemeinde. Der Zahn der Zeit nagte in den letzten Jahren gewaltig an dieser kulturhistorischen Besonderheit. Die Verträge sind ausgehandelt, die ausführenden Firmen haben ihr pünktliches Kommen zugesagt.
„De bunken Pahlen“ werden etwas zurückgesetzt, „um dat Tiepeln van de Lü“ zu verhindern.
Auch eine entsprechende Dachkonstruktion soll vor Laub und Regen schützen.

Dann bat der Vorsitzende Petra Gonschewski zum Rednerpult und überreichte ihr einen schönen bunten Blumenstrauß. Sie war über einen großen Zeitraum im erweiterten Vorstand tätig und mit viel Engagement bei verschiedenen „Events“ dabei und hat sich überall tatkräftig und immer mit guten Ideen eingebracht. Aus Zeitgründen möchte sie jetzt einen Schritt zurücktreten. Sie ist auch zukünftig im Heimatverein jederzeit herzlich willkommen.
Fast auf den Tag genau ist Jan Schneeberg 40 Jahre im Vorstand des Heimatvereins. Er ist der festen Überzeugung, dass es Zeit ist jüngeren Leuten den Weg zur Vereinsarbeit frei zu machen und trat von seinem Posten als Archivverwalter zurück, möchte aber weiterhin als ehrenamtlicher Helfer tätig sein. He kreeg ein fein Präsentje, düchdeg Handjeklappen un sien Frou ein moje Blaumenstruuß.

Es folgte der mit Spannung erwartete Vortrag des Kassierers Peter Scheidig, der einen soliden Bestand vorweisen konnte. Rolf Beckmann, der zusammen mit Ferdinand Dittrich „de Bauken un Papieren“ kontrollierte und prüfte, bescheinigte eine hervorragende Kassenführung ohne Fehl und Tadel und empfahl der Versammlung die uneingeschränkte Entlastung, die sogleich erfolgte und auf den Gesamtvorstand ausgedehnt wurde.

Wahlleiter wurde Werner Tapper, eine Aufgabe, die er engagiert und präzise nach der Satzung meisterte. Er dankte dem bisherigen Vorstand – selbstverständlich auf Borkumer Platt – für die Tätigkeit in den vergangenen vier Jahren. Zum Vorsitzenden wählte die Versammlung Markus Stanggassinger, der auf Borkum kein Unbekannter ist. Er ist Kundenberater und Immobilienfachmann bei der Borkumer Volksbank und seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik tätig. Der Stellvertreter bleibt Reinder Kieviet. Wiedergewählt als Kassierer wurde Peter Scheidig, „mit Jürgen Müller an sien Siet“. Schriftführerinnen sind Theda Akkermann und Gertrud Akkermann-Burmeister, Leiter des Heimatmuseums sind Dr. Helmer Zühlke und Hans Donat. Zum neuen Archivverwalter wurde Volker Apfeld gewählt.

Der Vorstand kann sich nach den „Statuten“ Beisitzer zu den verschiedenen Aufgabengebieten holen. Zum „Warkklöttje Olde Toorn“ gehört Gerhard Begemann und Markus Seeden, im Festausschuss ist seit langem Frerk Veen tätig und Elke Ulsamer koordiniert den Museumsablauf. Woldemar Beeneken und Hidde Staghouwer sen. sind ehrenamtliche Helfer im Archiv und in Zukunft möchte auch Peter de Buhr hier mithelfen. Auch die beiden Kassenprüfer Ferdinand Dittrich und Rolf Beckmann wurden wiedergewählt.

Mit größter Spannung wurde der Bericht über den Alten Turm erwartet, der seit geraumer Zeit geschlossen ist. Gerhard Begemann schilderte die aktuelle Situation, listete die zahlreichen Zusammenkünfte und Begehungen mit den Genehmigungsbehörden des Landkreises auf. Er schilderte ausführlich die strengen Vorschriften und Forderungen, die sich speziell auf den Brandschutz und die Fluchtwege beziehen. Natürlich muss auch die Denkmalschutzbehörde gehört werden. Eine endgültige und für alle Beteiligten befriedigende Lösung soll in den nächsten Wochen bei einem sogenannten „Round-Table-Gespräch“ gefunden werden, damit auf einer außerordentlichen Versammlung des Heimatvereins das weitere Vorgehen besprochen werden kann.

Zum Abschluss der Versammlung referierte Peter Barrot über die Geschichte der Seekisten, schlug den Bogen von den Wikingerschiffen über die Mary Rose, dem Kriegsschiff des englischen Königs Heinrich VIII, bis zu dem schwedischen Kriegsschiff Wasa, die 1628 auf ihrer Jungfernfahrt sank und erst 1961 gehoben wurde und in einem speziellen Museum in Stockholm besichtigt werden kann. Der Seefahrtshistoriker Peter Barrot hat viele Sammelstücke aus drei Jahrhunderten zusammengetragen und restauriert. Er zeigte Bilder einer Seekiste aus dem Jahre 1713 in holländischer Bauart , die einem Föhrer Walfangkommandeur gehörte und wies auf die üppig bemalten barocken Seekisten hin. Auch die Verzierungen von innen wurden anhand von zahlreichen Bildern gezeigt. Die Seekiste war nie länger als 1 Meter und die sogenannte Beilage mit einer Klappe barg die persönlichen Gegenstände des Seefahrers, während auf der anderen Seite nautische Instrumente untergebracht waren, wenn sich der Besitzer in einer gehobenen Postion befand.

Der studierte Betriebswirt Peter Barrot, der lange bei Reedereien und Werften in Bremen, Hamburg und London tätig war, lebt heute in der Nähe von Husum. Man merkt dem begeisterten Segler die Leidenschaft für die Seefahrt an. Interessierten Zuhörern sei das Buch „Seekisten – Vielzweckmöbel der Seeleute“ empfohlen – und natürlich ein Besuch im Museum „Dykhus“ mit vielen interessanten Exponaten rund um die Seefahrt und von der wechselvollen Geschichte der kleinen Insel Borkum mit ihren Bewohnern.

November – De stille Maand mit Gedachten an Mensken, dej d’r neit mehr bin (Borkumer Zeitung, 30.10.2014)

Museum „Dykhus“ des Borkumer Heimatvereins geöffnet

Der langjährige Leiter des Inselmuseums, Hans Teerling (1911-1990) berichtet in seinem Buch „Aus Borkums Vergangenheit“ (ein großes Auswahl hoch interessanter Heimatliteratur ist im „Museumswinkel“ erhältlich) ausführlich über die Sitten und Gebräuche seiner Heimatinsel, die im Ablauf des menschlichen Lebens eingebettet waren.

So schildert er, dass früher bei Geburten sogenannte „Kraamfrouen“ halfen, die keine ausgebildeten Hebammen waren, sondern ältere Insulanerfrauen, die großen Wert auf Sauberkeit legten. Die gebräuchliche Schmierseife – „greune Seipe“ – hatte eine starke antiseptische Wirkung und desinfizierte vor allem die Hände der helfenden „Froulü“.

Das Neugeborene ruhte in einem „Pütjepack“, einem Steckkissen, in dem es auch getauft wurde. Die „Döpkleidjes“ kamen erst später auf. Diese historischen Textilien sind in altertümlichen Schränken oder in übersichtlich sortierten Glasvitrinen im Museum „Dykhus“ aufbewahrt und geben dem Besucher mit den vielen anderen Exponaten einen guten Einblick in das Inselleben in früheren Zeiten.

Neben der entzückenden Kleidung für den Nachwuchs liegt aber auch ein
Kindertotenhemd, denn die Sterblichkeit bei den Geburten war sehr hoch. „Noit is Dod un Leven so binander as in disse Stünden“, ist in alten Predigten zu lesen. Die sehr gut dokumentierten Familienchroniken auf Borkum (akribisch zusammengestellt von Tjard Steemann) erzählen von tragischen Sterbefällen, wenn auch die Frau und Mutter „in de Eiwegkeit gung“.

Verstarb ein Mitglied einer Dorfgemeinschaft, so war es die Ehrenpflicht der anliegenden Nachbarn die Aufbahrung und die Beerdigung, das Tragen des Sarges zum Friedhof und die anschließende Teetafel im Trauerhaus zu organisieren. In wenigen Orten in Ostfriesland gibt es heute noch „de Dodebeder“, der diese Aufgaben übernimmt.

Bei einem Rundgang durch das Inselmuseum, das ausschließlich vom hiesigen Heimatverein betreut und unterhalten wird, kommt der Besucher von dem nostalgischen Wohnzimmer, über das Kapitänszimmer durch den Nebenraum
mit den Zeugnissen des beginnenden Tourismus zu einem kleinen Durchgang mit „de Butze“, auch Alkoven oder Wandbett genannt.

HaarkranzAuf der gegenüberliegenden Seite hängt eine Besonderheit. In einem großen Rahmen ist das ovale Bild einer jungen Frau zu sehen, darüber die etwas rätselhafte Erklärung: Kranz aus dem Haar der Verstorbenen. Mit der Bitte um nähere Informationen verwies die Ostfriesische Landschaft in Aurich an das Schlossmuseum in Jever, wo die Ausstellung „Der Tod – Sepulkralkultur in Friesland vom Mittelalter bis zur Neuzeit“ viel Beachtung bei den Zuschauern und in der Presse fand.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin teilte mit, dass damit die Trauer- und Begräbniskultur gemeint sei. Dazu gehören die Friedhöfe als Bestattungsorte, die Särge und die Grabmale mit den Inschriften sowie die Haarbilder. Das Anfertigen von filigranen Erinnerungsstücken aus Echthaar war im 19. Jahrhundert sehr verbreitet. Diese heute etwas befremdlich wirkenden Miniaturen entstanden nicht nur aus dem Haar Verstorbener, sondern auch anlässlich von Hochzeiten und Jubiläen. Das Haar wurde gewoben, geflochten, geklöppelt, geknüpft und auch verfilzt. Zunächst wurden die Strähnen gekocht und dann getrocknet, um ihre Form dauerhaft zu fixieren.

Haare ermöglichten es, einen Teil einer geliebten Person zu bewahren. Bevor sich die Fotografie verbreitete, waren Haare, zu einer Wanddekoration oder auch häufig zu Schmuck verarbeitet, eine sehr persönliche Form der Erinnerung. Während Bilder zu festlichen Anlässen oft als Auftragsarbeit entstanden, sind Haarkränze zum Andenken an einen Verstorbenen meist von den Hinterbliebenen selbst angefertigt worden.

Der Heimatverein der Insel Borkum bietet den Gästen, aber auch allen Einwohnern weiterhin die Möglichkeit, sich über die wechselvollen Geschichte
eines Eilandes zu informieren. Auch die Sonderausstellung „Vor 100 Jahren- Ausbruch des 1. Weltkrieges“ ist sehenswert und sollte unbedingt besucht werden. Das „Dykhus“ ist ab der ersten Novemberwoche bis zu den Weihnachtsferien samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.